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Funkensonntag

Ein Allgäu-Krimi, Kommissar Gerhard Weinzirl 2

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783442470181
Sprache: Deutsch
Umfang: 285 S.
Format (T/L/B): 2 x 18.7 x 11.7 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Der zweite spannende Fall für Kommissar Gerhard Weinzirl und Johanna Kennerknecht Eckarts im Allgäu: Kommissar Gerhard Weinzirl hat neben einem besonders perfiden Mord auch noch einen Haufen Presseleute am Hals, die zufällig live dabei sind, als am Funkensonntag ein Toter aus dem Funkenfeuer gezogen wird. Eine makabre Stelle, um eine Leiche zu verbergen ? wird bei diesem Brauch doch eigentlich eine Hexenfigur symbolisch verbrannt, um den Winter auszutreiben. Der Tote fällt Gerhard und seiner alten Schulfreundin Jo, ihres Zeichens Tourismusdirektorin im Bergstätt-Gebiet, quasi vor die Füße. Wie kam er in den Funken? Und wer wollte den beliebten Braumeister der kleinen Lokalbrauerei Hündle Bräu töten?

Leseprobe

"Das ist jedes Jahr einfach ein H?hepunkt, sozusagen ein Jour fixe im Allg?, h?rte Jo ihre Assistentin Patrizia "Patti" Lohmaier gerade sagen. Patrizia l?elte gezwungen und sa?stocksteif da. Sie schien in dem engen Dirndl kaum Luft zu bekommen, und wegen der Quetschwirkung des Mieders fiel ihr Dekollete ungleich imposanter aus, als sie es vermutlich geplant hatte. Dabei hasste Patrizia Dirndl mehr als Fu?ilz. Dieses Dekollete war offenbar das Einzige, was die anwesenden Herren noch bei Laune hielt. Nachdem Jo den Gastraum des R?ssle betreten hatte, war das Erste, was sie wahrnahm, Patrizias flehentlicher Gesichtsausdruck gewesen. Panik flackerte in ihren Augen, ihr K?rper war verspannt. Jo erfasste die Szene mit einem Blick. Eine Wolke aus Agonie und Aggression schwebte ?ber dem Tisch. Und die Besatzung just dieses Tisches sollte Patrizia bei Laune halten. Jo sah sich die Leute genauer an. Sie hatte Erfahrung mit Reisejournalisten, und dieser Haufen verhie?nichts Gutes. Dabei hatte sie den Eckartser Gasthof, die "Alp", mit Bedacht f?r die Medienleute ausgew?t. Ein Ort, der eigentlich jedem gefiel und f?r sich sprach. ?er einem alten K?chenherd hing Omas Unterhose - mit Spitzen verziert, versteht sich. Kerzen warfen warme Lichtflecken auf die alten Holzbalken. Die Tische zeigten stolz ihre Narben und Wunden von gut hundert Jahren Bierstemmen und Karteln. Der Steinboden erz?te von schweren nagelbeschlagenen Winterstiefeln. Blo?war dieser Inbegriff einer Stube ?berhaupt nicht alt, nur ihre Einzelteile. Monatelang hatte Wirtin Gabi in Scheunen gefahndet, Freunde befragt, Balken geschleppt und etwas geschaffen, das so aussah, als w? es schon immer so gewesen. Ein bisher unsch?ner Schuppen war in eine Allg?r Bergbauernstube verwandelt worden. Aber auf Patrizias Truppe, die auf einer Art Empore sa? hatte das offenbar wenig Wirkung. Gerhard Weinzirl, Jos Jugendfreund, der in Kempten bei der Mordkommission arbeitete, sa?am Nebentisch und beobachtete ebenfalls die Szene. Er war, was selten vorkam, rein privat unterwegs. Seine Eltern hatten Verwandtenbesuch aus Zornheim bei Mainz, und "die Alp" war der perfekte Ort, um die "Prei?" dahin auszuf?hren. Gerhard hatte ein paarmal Patrizias Blick gesucht, aber sie schien zu angespannt, um ihn ?berhaupt wahrzunehmen. Gerhard konnte sie gut verstehen, als er den Blick ?ber die Gruppe am Nachbartisch gleiten lie? An der Stirnseite sa?ein Schmuddel-Typ, in dessen Kr?elbart sich eine Schupfnudel verfangen hatte. Angesichts seiner Wampe, die das T-Shirt mit Tui-Werbeaufdruck nur unzureichend bedeckte, kam Gerhard zu dem Schluss, dass die Nudel wahrscheinlich als Wegzehrung f?r sp?r gedacht war. Daneben kauerte ein M?l, Marke "M?chen", das sich wahrscheinlich f?r die Platzwahl verfluchte. Dann ein Endzwanziger in typischer Gro?tadtverkleidung in Schwarz und mit einem Gesichtsausdruck, der so kaltschn?ig wirkte, dass selbst ein Eskimo aufs Nasereiben verzichtet h?e. Er wurde flankiert von einer ?eren Lady, deren liebstes Tier wohl die Drossel, respektive die Schnapsdrossel war. Dann folgten auf der Bank zwei Gestalten, die ganz offensichtlich miteinander techtelten. Jeder trug einen Ehering, aber dass weder die Ringe noch die Personen zusammengeh?rten, war klar. Das alles erschien Gerhard schon wie ein Panoptikum der Sonderklasse, aber die Kr?nung der Tafelrunde stellte ein Glatzkopf am anderen Ende des Tisches dar. Er war ein H?ne und hatte unangenehme, tief in den H?hlen liegende Rumpelstilzchen-Augen, wie Gerhard fand. Schnell streifte sein Blick den Rest: eine sympathisch aussehende junge Frau und zwei eher unauff?ige M?er. Einer aber begann pl?tzlich zu strahlen und stand auf. Er war blond, sommersprossig, sehr schlank. Gerhard wandte den Kopf und sah Jo in der T?r des Gastraumes stehen. Er f?hlte einen Klo?im Hals. Jo nestelte an ihrem Rock, auch sie zeigte heute alpenl?isch Flagge und trug ein Dirndl. Ein dickes Winterdirndl zudem. Jo teilte Patrizias Pein. Sie hatte noch im Auto dar?ber n

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